News

 

Neuigkeiten, Wissenswertes, Spannendes und Erhellendes kurz zusammengefasst.

 22.09.2017

Deutschland

Windkraft unter Druck

Nach Fukushima hat Deutschland die Energiewende beschlossen. Doch das Vorreiterimage bei erneuerbaren Energien lässt sich sechs Jahre später nur bedingt aufrechterhalten. Selbst in der Windregion Schleswig-Holstein kommt die Windkraft unter Druck.

Im Norden Deutschlands, in Schleswig-Holstein, kommt die Energiwende nur noch schleppend voran. Eigentlich wäre das Gebiet ideal für Windparks. Doch: Die Windbranche wird gerade kräftig durchgeschüttelt. Hunderte Jobs sind in den letzten Monaten gestrichen worden. Erst vor wenigen Tagen hat das Grossunternehmen Senvion sein Werk in der Stadt Husum geschlossen.

Hoher Kostedruck
Die Situation in der Windindustrie spitze sich zu - schneller und deutlicher als befürchtet -, liess Ende August die IG Metall Küste warnend verlauten, die die Arbeitnehmer der Windbranche vertritt. Als Hauptursache sehen viele in der Branche die neuen Vergütungsregelungen. Bisher wurde den Erzeugern ein fester Preis pro Kilowattstunde garantiert. Nun werden Windparks ausgeschrieben. Den Zuschlag erhält der Bewerber, der die niedrigsten Förderbeiträge verlangt. Sowohl für Projekte auf dem Festland als auch für solche auf hoher See haben sich Bieter gefunden; der Ökostrom wird damit billiger.

Bauen die Bürgergesellschaften?
Für die Hersteller von Windkraftanlagen bedeutet die neue Gesetzgebung vor allem erhöhten Kostendruck. Nicht nur das: Die Produktion in den Fabrikhallen droht ins Stocken zu geraten. Denn die neuen Vergütungsregelungen sehen auch vor, dass Bürgergesellschaften Sonderbedingungen bei der Ausschreibung erhalten - und somit die meisten gewinnen. Das bedeutet: Die Windparks sollen mehrheitlich nicht von mittelständischen Unternehmen, sondern von Bürgern gehalten werden. Aber werden diese Windparks am Ende auch wirklich gebaut? Branchenverbände und Grossunternehmen bezweifeln das. Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister befürchtet ein Stocken beim Windkraftausbau. «Wir sollten sehr aufpassen, dass wir nach der Solarenergie nicht noch die Windenergie kaputtmachen», sagt er warnend.
(Quelle: NZZ)

zurück