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 21.12.2017

Suzanne Thoma

Geldverdienen mit Strahlenschutz

Weil der Strahlenschutz beim Rückbau von Atomkraftwerken zentral ist, hat die BKW eine deutsche Firma gekauft und will damit Geld verdienen: BKW-Chefin Suzanne Thoma:«In Zukunft werden diese Experten immer stärker gefragt sein.»


Suzanne Thoma ist schneller als die Schweiz. 2013 entschied die BKW-Chefin, aus der Atomenergie auszusteigen. Die Schweizer beschlossen dies erst 2017 mit der Energistrategie. Ein «BLick»-Interview:

Frau Thoma, Sie müssten jubeln. Überall brennen Weihnachtsbeleuchtungen, und sie verkaufen richtig viel Strom.
Suzanne Thoma:
Wir sehen wenig Mehrverbrauch. Aber wir merken, wenn die Menschen heizen. Wir haben am Stromverbrauch ganz klar gesehen, dass wir einen warmen Herbst hatten. Jetzt hoffen wir auf einen kalten Winter (lacht).

Haben Sie sonst noch was auf Ihrem Wunschzettel? Ein paar Firmen etwa?
Wir werden sicher im neuen Jahr weiter versuchen, Firmen aufzukaufen ? eher etwas grössere als bisher.

Ihr Übernahme-Marathon löst Kritik aus: Sie kaufen als Staatskonzern KMU und verzerren den Markt. Was sagen Sie dazu?
Wir sind kein Staatskonzern ?

... der Kanton Bern hält die Aktienmehrheit. Das wurde per Gesetz verankert!
Unser Mehrheitsaktionär ist der Kanton Bern. Das macht uns noch nicht zu einem staatlichen Unternehmen. Im Übrigen haben wir auch keinen Leistungsauftrag. Wir finanzieren unser Wachstum durch unseren Cashflow.

Sie wachsen auch durch Übernahmen, haben etwa Brandschutz im Portfolio und eine Vermessungsfirma gekauft. Steht BKW für Bernische Keine-Ahnung-Was?
Nein (lacht). Wir investieren in Bereiche, die viel mit unseren Wurzeln und Kompetenzen zu tun haben: Es geht immer um Energie oder Infrastruktur.

Auch andere Energiekonzerne suchen neue Geschäftsfelder. Überlebt man nur als Gemischtwarenladen?
Man kann definitiv nicht mehr vom Stromgeschäft leben.

Wie bitte?
Ob man wieder mit Strom Geld verdienen kann, hängt vom Strompreis ab und der wiederum von grossen Entscheidungen im Ausland. Die Chinesen haben beispielsweise Minen geschlossen und dadurch das Kohle-Angebot auf der Welt reduziert. Dadurch ist der Preis der Kohle und hernach auch der Strompreis in den letzten Monaten gestiegen.

Sie wollen jährlich mehrere Millionen einsparen. Wie viele Leute wollen Sie entlassen?
Wir haben es in den letzten drei Jahren geschafft, einen dreistelligen Millionenbetrag einzusparen. Dafür haben wir schrittweise Stellen gestrichen, konnten das aber über Fluktuation regeln. Wir haben keine Entlassungen geplant.

Aber den Atomausstieg. 2019 legen Sie das AKW Mühleberg still. Ab 2018 beziehen Sie keinen Atomstrom mehr aus Fessenheim in Frankreich. Geht es um Moral oder Geschäft?
Es geht ums Geschäft. Aber das steht nicht im Widerspruch zur Moral. Wir haben 2013 den Entscheid gefällt, auszusteigen, weil wir erkannt haben, dass sich die Preise in einem liberalisierten Strommarkt im Sinkflug befinden.

Wenns ums Geschäft ginge, müssten Sie auch Ihre 9,5 Prozent Anteile an Leibstadt loswerden, wo Millionen verbrannt werden.
Der Entscheid geht Jahrzehnte zurück. Man könnte versuchen, die Beteiligung zu verkaufen. Dann müssen Sie aber auch einen Käufer finden.

Schon versucht?
Nein (lacht). Aber ja: ein stillstehendes Kraftwerk kostet viel Geld. Aber sollte sich der Strompreis wieder erholen, dann ist die Beteiligung an Leibstadt aus wirtschaftlichen Aspekten ein guter Entscheid.

Sie werden mit einer zugekauften deutschen Firma Geld mit dem Abbau von AKW verdienen. Ihre neue Cashcow ?
Der Hauptgrund für den Kauf dieser Firma ist, dass der Strahlenschutz in Rückbauprojekten zentral ist. In Zukunft werden diese Experten immer stärker gefragt sein, weil immer mehr Kraftwerke zurückgebaut werden.

Beim Abbau welcher AKW wollen Sie mitmischen?
Deutschland legt in den nächsten Jahren alle Kernkraftwerke still. Auch Frankreich wird den Anteil an Kernenergie reduzieren. Aber in erster Linie kümmern wir uns nun um die Stilllegung von Mühleberg.

(Quelle: Blick)

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