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 06.03.2018

Ensi

Beznau ist kein Schrottreaktor

Die Einschlüsse im Stahl des Reaktordruckbehälters von Beznau 1 sind harmlos. Die Atomaufsicht gibt grünes Licht. Die Axpo will die Anlage Ende März wieder auf Volllast bringen.

Der Reaktorblock 1 des Atomkraftwerks Beznau ist kein «Schrottreaktor», nicht «marode» und kein Sicherheitsrisiko für die Schweiz, wie Atomgegner kritisieren. Die Atomaufsichtsbehörde Ensi kommt vielmehr zu dem Schluss, dass die dienstälteste Atomanlage der Schweiz nach wie vor sicher sei. «Aus sicherheitstechnischer Sicht spricht nichts dagegen, dass Beznau 1 wieder ans Netz geht», hielt Ensi-Direktor Hans Wanner bei der Präsentation der Prüfergebnisse fest. Die Axpo habe nachgewiesen, dass die im Stahl des Reaktordruckbehälters gefundenen Einschlüsse keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit hätten.

Experten sind sich einig

Diesen Nachweis habe das Ensi geprüft und akzeptiert. Auch das eingesetzte International Review Panel mit weltweit anerkannten Experten sei zum selben Schluss gekommen. Damit bekommt die Axpo die Erlaubnis, den Reaktor nach drei Jahren Stillstand wieder zu beladen und hochzufahren. Dies soll in den nächsten Wochen geschehen, so dass das Werk Ende März wieder volle Leistung bringt, wie die Axpo im Anschluss an den Ensi-Entscheid mitteilte. Einzige Auflage ist, dass der Reaktordruckbehälter regelmässig mit Ultraschall überprüft wird, nächstes Mal 2022.

Mit dem Entscheid kommt eine fast dreijährige Abklärung zum Abschluss, wie sie noch nie zuvor durchgeführt worden ist. Während einer Revision waren im Sommer 2015 bei Ultraschalluntersuchungen Einschlüsse unbekannter Herkunft im Stahl des Reaktordruckbehälters festgestellt worden. Befürchtet wurde zunächst, dass es sich um die gefürchteten Wasserstoffflocken wie im belgischen Kraftwerk Doel 3 handeln könnte. Verfeinerte Untersuchungen förderten darauf im Stutzenring 119 und im am stärksten strahlenexponierten oberen Kernring 3519 solche Anomalien zutage. Fast alle Befunde liegen im unteren Viertel des Rings und bilden teilweise Wolken.

Ensi bestätigt
Die Axpo stand vor der Frage, was dies für Einschlüsse sind, welches die Ursache ist und ob sie einen negativen Einfluss auf das Material haben. Da man keine grösseren Proben aus dem Reaktordruckbehälter entnehmen kann und weltweit keine vergleichbaren Materialien erhältlich waren, benutzte die Axpo einerseits sogenannte Vorlaufproben, also Material, das in den Reaktor näher an den Kern gehängt wird und so dem Neutronenbeschuss stärker ausgesetzt ist und schneller altert. Andererseits liess die Axpo nach den gleichen Spezifikationen wie in den 1960er Jahren ein Replikat des Kernrings schmieden. Dieses Replikat zeigte die gleichen Einschlüsse und konnte zersägt und allen möglichen Tests unterzogen werden. Das Prüfprogramm führte zu folgenden Feststellungen, die das Ensi nun anerkannte:
  • Bei den drei bis fünf Millimeter grossen Einschlüssen handelt es sich um Aluminiumoxid, das nicht während des Betriebs, sondern bereits während des Giessprozesses entstand. In den 1960er Jahren gab man der Schmelze Aluminium bei, um den Sauerstoff zu binden und «Schaumbläschen» im Stahl zu vermeiden. Diese nichtmetallischen Ablagerungen bildeten sich im unteren Teil des Schmiedestücks nach dem bekannten Phänomen der negativen Segregation.
  • Die Einschlüsse beeinflussen die Eigenschaften des Stahls und damit die Sicherheit des Druckbehälters nicht negativ. Dazu wurden 130 Materialproben metallurgischen, mikroskopischen und chemischen Analysen sowie Bruchtests unterzogen. Es zeigte sich, dass die Einschlüsse den Stahl nicht stärker verspröden, dass sich dort auch keine für die Versprödung relevanten Elemente wie Kupfer, Phosphor und Nickel ansammelten und dass das Material auch nie bei den Einschlüssen brach. Zudem wurde nach der anerkannten Master-Curve-Methode nachgewiesen, dass das Material auch dann standhält, wenn die Reaktorwand bei einer schnellen Kühlung in einem Störfall extremen Spannungen ausgesetzt ist.

80 Millionen Prüfkosten

Die Axpo sieht sich bestätigt im Vorgehen zur Erlangung des Sicherheitnachweises. 25 Mitarbeitende, 15 internationale Experten und etliche spezialisierte Unternehmen hätten zweieinhalb Jahre an diesem Projekt gearbeitet, über 100 technische Berichte seien verfasst worden, 80 Millionen Franken habe es gekostet, rechnete Axpo-CEO Andrew Walo vor. Eine solche Prüfung sei einzigartig. «Es gibt weltweit kein einziges Stück Stahl, das so intensiv untersucht wurde», sagte Andy Heiz, Leiter Produktion und Netze. Damit seien internationale Standards gesetzt worden. Die Axpo ist zuversichtlich, das dienstälteste Werk der Schweiz bis 2030 betreiben zu können. (Quelle: NZZ)

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