KWO plus

Mit dem über eine Milliarde Franken teuren Investitionsprogramm KWO plus wollen die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) das Wasser an Grimsel und Susten effizienter nutzen. Geplant sind fünf  Projekte. Um sie realisieren zu können, brauchts entsprechende Konzessionen und das Ja der Aktionäre. Die KWO gehören der BKW (50%) und zu je einem Sechstel den Städten Bern, Basel und Zürich.

Quelle: KWO

Projekte 1 und 2: Innertkirchen 1 und Handeck 2

Die bestehenden Kraftwerke Innertkirchen 1 und Handeck 2 werden aufgewertet. Neue Maschinen und reibungsärmere Druckstollen erhöhen die Produktion um 70 Gigawattstunden pro Jahr (58mal die Solaranlage auf dem Stade de Suisse). Die Tandemprojekte sind politisch unbestritten. Die nötige Ergänzung der Konzession hat das kantonale Amt für Wasser und Abfall bewilligt. Die BKW sowie die Städte Basel, Bern und Zürich unterstützen beide Projekte.

Projekt 3: Pumpspeicherkraftwerk Grimsel 3

Das unterirdisch neu zu bauende Pumpspeicherwerk Grimsel 3 turbiniert Wasser aus dem Oberaarsee und pumpt Wasser aus dem Räterichsbodensee wieder zurück in den Oberaarsee. Das Pumpspeicherkraftwerk erlaubt, den künftig vermehrt unregelmässig anfallenden Strom aus Sonne und Wind zu speichern. Auch dieses Projekt ist politisch unbestritten. Der Berner Grosse Rat hat in der Märzsession 2012 die Konzession mit 144 gegen 3 Stimmen erteilt. Noch offen sind die Entscheide der Aktionäre. In den Städten Zürich und Bern wird es Volksabstimmungen geben.

Am 26.03.2013 hat die KWO dieses Projekt vorerst sistiert. Grund: der subventionierte Wind- und Sonnenstrom in Deutschland macht das Vorhaben derzeit unrentabel.

Projekt 4: Vergrösserung Grimselsee

Heute fliesst dem Grimselsee mehr Wasser zu als er fassen kann. Mit der Vergrösserung des Sees von 95 auf 170 Millionen Kubikmeter Wasser wird das Stauvolumen um 75 Prozent erhöht. Das entspricht einem Energieinhalt von zusätzlichen 240 Gigawattstunden (3mal das Laufwasserkraftwerk Hagneck oder 200mal die Solaranlage auf dem Stade de Suisse). Dazu müssen die beiden Staumauern um 23 Metern erhöht werden. Der grössere See wird rund 50 Arven fluten. Die KWO setzt dafür 3000 neue.

Der Berner Regierungsrat und das bernische Kantonsparlament befürworten die Vergrösserung des Grimselsees. Die Konzession wurde in der Septembersession 2012 angepasst. Wann die Aktionäre über eine Beteiligung an diesem Projekt entscheiden, ist noch offen.

Gegen das Projekt wehren sich die acht Umweltverbände Pro Natura, Stiftung für Landschaftsschutz, aqua viva Rheinaubund, Grimselverein, Schweizerische Energiestiftung, Greenpeace, Greina-Stiftung und der WWF Schweiz. Sie erachten den verfassungsmässig garantierten Moorschutz als verletzt. Im März 2013 haben die Umweltverbände beim bernischen Verwaltungsgericht Beschwerde gegen die Konzessionserteilung eingereicht. Das Verwaltungsgericht hat am 22.12.2015 den Umweltverbänden mit 5 zu 0 Stimmen vollumfänglich recht gegeben und die Erhöhung abglehent.

Projekt 5: Grimsel E1

Zwischen dem Grimsel- und dem Räterichsbodensee soll ein neues Kraftwerk entstehen. Die Anlage Grimsel E1 besitzt eine Leistung von 150 Megawatt und kann 15 bis 30 Gigawattstunden Strom produzieren. Sie wird eine effizientere Seebewirtschaftung ermöglichen und zusätzliche Energie erzeugen. Die KWO setzt auf dieses Projekt, nachdem sie den Bau des Pumpspeicherwerks Grimsel 3 vorerst auf Eis gelegt hat. Am 1. September 2014  hat der bernische Grosse Rat mit 125 gegen 0 Stimmen die nötige Anpassung und Ergänzung der Gesamtkonzession gutgeheissen.