Sicherheit Kernkraftwerk Mühleberg

Seit Jahren kritisieren Kernenergiekritiker die Sicherheit des Kernkraftwerks Mühleberg (KKM). Im Fokus stehen der Kernmantel, die Erdbebensicherheit und eine von Aare unabhängige Kühlung. 2014 musste die BKW aufzeigen, wie sie die Sicherheit der Anlage bis zur Stilllegung 2019 sicherstellen will. Im Januar 2015 hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) die Vorschläge akzeptiert.

Kernmantel

Die Anrisse im Kernmantel sind seit 1990 bekannt. Zum Verständnis: es ist nicht so, dass die Betonhülle des Reaktorgebäudes oder gar das Reaktordruckgefäss Risse hätten, aus dem Radioaktivität austreten könnte.
Der Kernmantel ist ein oben und unten offener Zylinder im Innern des Reaktors. Er steht nicht unter Druck. Vielmehr leitet er das Wasser im Reaktor so, dass es von unten nach oben durch die Brennelemente fliesst. Salopp gesagt ist der Kernmantel ein Wasserumlenkblech.
Kernmantel
Quelle: ENSI
Der Kernmantel besteht aus acht zusammengeschweissten Zylindern. Einige dieser Schweissnähte weisen Anrisse auf. Nirgends ist der Kernmantel durchgerissen. Zur Stabilisierung hat die BKW unter anderem vier Zuganker angebracht.

Quelle: ENSI
Laut ENSI besteht der Kernmantel selbst ohne Zuganker ein Erdbeben der Stärke 7 unbeschadet. Dennoch verlangte das ENSI nach einem Gutachten des deutschen TÜV Nord bis Ende 2011 eine definitive Lösung für den Langzeitbetrieb. Die BKW schlug vor, vier Zuganker durch neue zu ersetzen und zwei weitere einzubauen.

Mit der Stilllegung des Kernkraftwerks per 2019 ist dieses Konzept überholt. Demnach werden für die restliche Laufzeit allein die Prüfungen des Kernmantels intensiviert. Zudem hat das ENSI für das Risswachstum Grenzwerte festgelegt. Sollten sie überschritten werden, muss die Anlage abgeschaltet werden.

Weltweit gibts 47 Kernkraftwerke mit Kernmatelanrissen. In den USA und Spanien gilt die Reparatur mit Zugankern als definitiv.

Erdbebensicherheit

Hier gehts weniger um das Kernkraftwerk selbst als um die Frage, ob der oberhalb des KKM gelegene Staudamm des Wasserkraftwerks Mühleberg ein Erdbeben überstehen würde. Nach Fukushima verlangte das ENSI den Nachweis, dass die Staumauer auch einem Erdbeben standhält, das sich einmal in 10'000 Jahren ereignen könnte. Die Aufsichtsbehörde hat am 09.07.2012 die Erdbebensicherheit sowohl des Kraftwerks wie des Staudamms bestätigt. Der Erdbeben-Check wird beim Vorliegen neuer Daten aus der laufenden Erdbeben-Studie Pegasos aktualisiert werden müssen. Um die Sicherheitsmarge des Stauwehrs zu erhöhen, hat die BKW im Frühling 2014 insgesamt 72 Stahlrohre von 18 Metern Länge vertikal in den Boden eingelassen.

Kühlung

Das Kernkraftwerk wird heute ausschliesslich mit Aarewasser gekühlt. Bereits 2011 hat die BKW die Ansaugstutzen so optimiert, dass sie bei Hochwasser nicht verstopft werden können. Nach Fukushima verlangte das ENSI zusätzlich eine von der Aare unabhängige Kühlungsmöglichkeit. Die BKW schlug eine neue Grundwasserfassung im Saanetal vor. Doch mit Blick auf die Stilllegung 2019 wird nun darauf verzichtet. Stattdessen wird die Wasserversorgung über ein REWAG-Pumpwerk erneuert. Das ENSI ist damit einverstanden.

Unbefristete Betriebsbewilligung

Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) erteilte dem Kernkraftwerk Mühleberg 2009 eine unbefristete Betriebsbewilligung. Das fochten Kernenergiegegner beim Bundesverwaltungsgericht an. Das Gericht hob Anfang März 2012 den UVEK-Entscheid auf und befristete den Betrieb bis 28. Juni 2013. Sollte die BKW das Werk weiter betreiben wollen, müsse sie ein «umfassendes Instandhaltungskonzept» vorlegen und beim UVEK eine neue Bewilligung beantragen. BKW und UVEK zogen dieses Urteil ans Bundesgericht weiter. Dieses hat am 28. März 2013 das Urteil der Vorinstanz aufgehoben und Mühleberg definitiv eine unbefristete Betriebsbewilligung erteilt.

Kühlung Brennelemente

Um die Kühlung des Brennelement-Lagerbeckens zu verstärken, werden in einer ersten Phase Eintauchkühler installiert. Diese Aufrüstung muss bis Ende 2016 erfolgen. In einer zweiten Phase baut die BKW nach der definitiven Ausserbetriebnahme ein vollwertiges Notfall-Kühlsystem ein.

Reaktordruckbehälter

Die BKW hat den Reaktordruckbehälter des Kernkraftwerks stichprobenweise mit Ultraschall überprüft. Die Auswertung der Daten zeigen, dass der Druckbehälter in gutem Zustand ist. Das bestätigt auch das Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI. Die Prüfung wurde nötig, weil in Belgien an einem typgleichen Druckbehälter Materialfehler entdeckt worden sind.