Hürden für erneuerbare Energien

Im Clinch

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist häufig mit grossen Hürden verbunden: Unkoordinierte Verfahren, zum Teil Widerstand von Anwohnern, Umwelt- und Denkmalschutz.

Neun Jahre für acht Windturbinen

Der 2010 abgeschlossene Ausbau des Windkraftwerks auf dem Mont Crosin zeigt die Vielschichtigkeit des Bewilligungsverfahren anschaulich: Gegen 30, untereinander nicht koordinierte Behörden und Ämter auf Ebene Bund, Kanton und Gemeinden waren involviert. Niemand hatte den Lead. Das Resultat: eine Verfahrensdauer von neun Jahren. Und dabei gab es praktisch keine Opposition der Bevölkerung.

46 Arven gegen Grimsel-Ausbau

Umweltauflagen verhindern verschiedentlich auch den Bau von Wasser- oder Windanlagen. Bekanntestes Beispiel ist die Erhöhung der Grimsel-Staumauer. Der dadurch entstehende grössere See würde 46 geschützte Arven überfluten. Dafür forsten die KWO 2500 Arven neu auf. Dennoch bleiben die fünf Umweltverbände Greenpeace Schweiz, Grimselverein, Pro Natura, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und WWF Schweiz bei ihrer Einsprache. Sie erachten den verfassungsmässig garantierten Moorschutz als verletzt. Zu diesem Projekt will der Berner Regierungsrat im Sommer 2012 Stellung nehmen. In der Septembersession 2012 soll der Grosse Rat den Konzessionsentscheid fällen.

Gelockerter Denkmalschutz

Speziell Solaranlagen sind mit der Denkmalpflege nicht immer vereinbar. Deshalb hat der Kanton Bern die Auflagen gelockert. Vollflächige oder rechteckige Solaranlagen dürfen grundsätzlich auf allen Hausdächern ohne Baubewilligung installiert werden, also auch auf Baudenkmälern. Ausgenommen sind nur die als «schützenswert» registrierten Gebäude (1.5 Prozent der bernischen Gebäude). Mittelfristig will der Kanton selbst hier die Baubewilligungspflicht für Solaranlagen abschaffen. Auch neben dem Haus - im Hof oder im Garten - brauchen Solaranlagen mit maximal 10 Quadratmetern Fläche keine Baubewilligung. Kleine Windkraftanlagen neben einem Gebäude sind bewilligungsfrei, sofern sie nicht höher als 2,5 Meter sind.

Übrigens: Der Berner Grosse Rat hat im Januar 2015 eine Lockerung des Denkmalschutzes beschlossen. Innerhalb von fünf Jahren soll die Zahl der im Bauinventar enthaltenen Objekte von heute knapp 10 Prozent auf 6 Prozent aller Gebäude im Kanton Bern reduziert werden.