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 04.08.2018

Stromproduktion

Solaranlagen leiden unter der Hitze

Je mehr Sonnenschein, desto mehr Solarstrom - müsste man meinen. Dem ist aber nicht so. Mit steigender Temperatur sinkt der Wirkungsgrad.

Sonnenschein und Rekordtemperaturen von morgens bis abends: Das aktuelle Wetter müsste bei Besitzern von Fotovoltaikanlagen eigentlich Begeisterung auslösen. Ganz so ein­fach ist es aber nicht. Denn wie viel Strom eine entsprechende Anlage produziert, hängt nicht nur von der Sonneneinstrahlung ab, sondern auch von der Temperatur.

«Fotovoltaikanlagen mögen die Hitze nicht besonders gern», sagt Danilo Grunauer, Experte für Fotovoltaik bei den Elektri­zitätswerken des Kantons Zürich. Denn mit zunehmenden Temperaturen sinke der Wirkungsgrad der Anlagen. «Je heisser es ist, desto weniger effizient ist die Umwandlung von Sonnenenergie in Strom», sagt Grunauer. Schuld daran seien physikalische Effekte.

Bei einem typisch handelsüblichen Modell sinkt der Wirkungsgrad laut Grunauer pro zusätzliches Grad um etwa 0,4 Prozent. Das heisst: Wäre es aktuell 10 Grad kühler, würden die Solaranlagen rund 4 Prozent mehr Strom produzieren. Gegenüber dem Winter ist die Produktion momentan allerdings trotzdem höher, weil die Sonneneinstrahlung stärker und die Sonnenscheindauer länger ist. Laut Sabrina Schellenberg vom Berner Stromkonzern BKW liegt die Solarstromproduktion aktuell 10 bis 20 Prozent über der Norm.

Davon profitieren Tausende Anlagenbesitzer. Insgesamt waren in der Schweiz Ende 2016 laut dem Fachverband für Sonnenenergie 59'000 Fotovoltaik­an­lagen installiert, Kleinstan­lagen nicht mitgezählt. Jähr­lich werden mit Solarenergie 1580 Gigawattstunden Strom erzeugt, was dem Verbrauch von rund 400'000 Haushalten entspricht. Allerdings: Gemessen am gesamten Stromverbrauch, ist der Anteil des Solarstroms in der Schweiz mit rund 3 Prozent immer noch gering. In Deutschland liegt er bei mehr als 7 Prozent.

AKW drosseln Produktion

Auch die Stromproduktion von Atomkraftwerken geht wegen der Hitze teilweise zurück. Die Leistung des Kernkraftwerks Mühleberg der BKW wird aufgrund der hohen Temperaturen immer wieder gedrosselt. Für die Kühlung des Kraftwerks wird Wasser aus der Aare verwendet, und das ist im Moment oft mehr als 20,5 Grad warm. Die Wasserkonzession schreibt vor, dass die Leistung des AKW Mühleberg ab dieser Temperatur heruntergefahren werden muss. Die Leistung des Kraftwerks sei darum im Moment um rund 10 Prozent reduziert und werde es voraussichtlich auch über die nächsten Tage bleiben, sagt BKW-Sprecherin Schellenberg.

Das Kernkraftwerk Beznau der Axpo benützt ebenfalls Kühlwasser aus der Aare. Es muss die Leistung herunterfahren, wenn die Temperatur des in den Fluss eingeleiteten Kühlwassers 32 Grad übersteigt. Wegen der anhaltend hohen Luft- und Wassertemperaturen sei damit zu rechnen, dass das Kraftwerk in den nächsten Tagen jeweils am späten Nachmittag für einige Stunden die Last reduzieren werde, sagt Axpo-Sprecher Ueli Walther. Das sei schon in den vergangenen Tagen der Fall gewesen. Die Reduktion liegt unter 1 Prozent.

Wetter treibt Strompreise an

Deutlicher sind die Unterschiede bei der Wasserkraft. Hier führten längere Trockenperioden «logischerweise zu deutlich verminderten Zuflüssen bei den Produktionsanlagen», sagt Axpo-Sprecher Walther. Die Laufwasserkraftwerke produzierten darum weniger Energie. Im Kanton Aargau betrug das Minus im Juli im Vergleich zum Vormonat 25 Prozent. Die Speicherseen hingegen sind laut BKW-Sprecherin Schellenberg trotz der grossen Trockenheit «leicht über Norm gefüllt». Und zwar wegen des schneereichen Winters.

Insgesamt treibt das heisse Wetter die Strompreise im Moment eher an. Am 25. Juli erlebte die Schweiz laut dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) die bisher höchsten Strompreise in diesem Sommer. An diesem Tag kostete eine Megawattstunde an den Märkten 67.26 Franken. Am 25. Juli 2017 waren es 41.79 Franken pro Megawattstunde gewesen. Beeinflusst wird der Preis laut dem VSE massgeblich durch die Tarife im übrigen Europa, insbesondere in Deutschland. Auch dort ist es im Moment heiss, trocken und wenig windig. (Quelle: TagesAnzeiger)

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