News

 

Neuigkeiten, Wissenswertes, Spannendes und Erhellendes kurz zusammengefasst.

 07.08.2018

Deutschland

Tausende Kilometer Erdkabel nötig

Deutsche Stromnetzbetreiber schreiben europaweit Bestellungen für Tausende Kilometer Erdkabel aus. Denn: Drei von vier Höchstspannungsleitungen quer durchs Land werden in den Boden verlegt.

Noch steht der genaue Verlauf der neuen Nord-Süd-Stromautobahnen nicht fest, aber die Bauherren bestellen schon einmal die Kabel. Den Grund dafür beschreibt Lex Hartman, Geschäftsführer von Tennet, einer der drei beteiligten Übertragungsnetzbetreiber, so: «Für die Verbindungen brauchen wir mehrere tausend Kilometer Erdkabel.» Mit der frühzeitigen Ausschreibung wolle man den Markt vorbereiten, «damit es nicht zu Engpässen kommt".

Vier Leitungen über drei Trassen sollen ab Mitte des nächsten Jahrzehnts vor allem Windstrom von Nord nach Süd liefern. Drei der Leitungen werden laut Gesetzeslage im Erdreich verlegt. Zwei davon in der Trasse Sued-Link von Brunsbüttel und Wilster im Norden nach Grossgartach und Bergrheinfeld im Süden; die dritte, Suedost-Link, von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt nach Landshut. Die vierte Leitung im Westen wird weitgehend als Freileitung geplant. Für dieses Ultranet ist der Netzbetreiber Amprion zuständig.

Derzeit laufen die Antrags- und Planungsverfahren für die Kabelverbindungen. Die aktuelle Grobplanung, die einen 1000 Meter breiten Korridor umfasst, soll im Frühjahr 2019 durch eine Detailplanung ersetzt werden. Auf dieser Basis sollen die Trassen für die Gleichstromleitungen dann bis 2025 fertiggestellt werden. Sued-Link wird etwa 700 Kilometer lang, Suedost-Link mit 580 Kilometern nur wenig kürzer. Da in jeder Trasse mehrere Kabel nebeneinander verlegt werden, kommen so Tausende Kilometer zusammen. Da es nur eine Handvoll Hersteller gibt, die solche Kabel produzieren können, sollen die sich so früh wie möglich auf die Nachfrage einstellen, damit es nicht zu weiteren Verspätungen kommt.

Der politisch ausgelöste Schwenk von Freileitungen zum Vorrang für Erdkabel lässt nicht nur die Kosten um ein Mehrfaches steigen, sondern er hat auch zu jahrelangen Verzögerungen geführt, weil die Planung komplett überarbeitet werden musste. Für Sued-Link werden Baukosten von 10 Milliarden Euro, für Suedost-Link etwa die Hälfte davon veranschlagt. Die Kosten werden auf die Stromkunden umgewälzt. Die beiden großen Gleichstromtrassen seien für die Umsetzung der Energiewende besonders wichtig, sagt Hartman.

Zusammen mit dem ostdeutschen Netzbetreiber 50Hertz trägt Tennet die Haupt- last dieses Milliarden Euro teuren Netzausbaus. 50Hertz-Chef Boris Schucht sagt, es gehe nicht nur um eine zügige Fertigstellung. Auch Qualität und Preise der Komponenten müssten stimmen. Dafür brauche man einen breiten Wettbewerb unter den Erdkabel-Herstellern. Werner Götz, Vorsitzender der TransnetBW wies auf die besonderen technischen Herausforderungen hin. «Wir zertifizieren derzeit weltweit Lieferanten, Kabelproduktionsanlagen und prüfen die verschiedenen Gleichstrom-Erdkabel auf Herz und Nieren, um eine zuverlässige und sichereTechnik zu garantieren.»

Die EU-weit ausgeschriebene Auftragsvergabe für die Gleichstrom-Erdkabel für Sued-Link und Suedost-Link würde vermutlich erst Ende nächsten Jahres abgeschlossen. Ausgeschrieben werde «technologieoffen», ohne Vorfestlegung auf die Spannungsebene. Zur Auswahl stünden neben den in Deutschland schon eingesetzten 320-Kilovolt-Kabeln auch solche mit einer Spannung von 525 Kilovolt. Derzeit würden diese Kabel unter realen Bedingungen auf ihre Langzeitbelastung getestet. Nicht nur die Höhe der Spannung ist Neuland für die Bauherren, die ihre Netze bisher fast nur mit Wechselstrom auf Freileitungsmasten betreiben.

Mit den Erdkabeln sind mehrere Herausforderungen verbunden. Weil die Kabel so schwer sind, passen nur einige hundert Meter auf eine Rolle, weshalb die Ab schnitte alle paar hundert Meter miteinander verlötet werden müssen. Dafür sind eigene Revisionsschächte nötig. Die Trasse muss zudem von tiefwurzelndem Baum- und Strauchwerk freigehalten werden. Zwar kann darauf später wieder Ackerbau betreiben werden, doch sind die Auswirkungen der Erwärmung als Folge des Stromtransports auf die Umgebung und den Ertrag noch unklar.
(Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung)

zurück