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 07.10.2018

Stromknappheit

Es braucht mehr Speicher

Gemäss einer von Greenpeace Energy in Auftrag gegebenen Studie kann es im Februar und März knapp werden mit dem Strom. Darum braucht es neue Speicherlösungen.

Was ist, wenn im Winter mehrere Wochen kein Wind bläst, wenn kaltes Wetter herrscht und die Sonne nicht scheint? Dieses Phänomen wird als «kalte Dunkelflaute» bezeichnet. Das gelegentlich in West- und Zentraleuropa zu be- obachtende Phänomen wird durch ein stabiles Hoch im Osten hervorgerufen.

Knappheit im Februar und März
Im Auftrag vom deutschen Ökostromversorger Greenpeace Energy wurde diese Frage kürzlich untersucht. Demnach laufe Deutschland bei einer «kalten Dunkelflaute» - meist im Februar oder März - in eine Stromknappheit hinein. Der Grund: die Bundesregierung hoffe zu sehr auf Stromimporte und tue gleichzeitig zu wenig für das Gelingen der Energiewende im Inland. Zwar ist laut der Studie auch in diesem Fall eine Versorgung ohne die umstrittenen Atom- und Kohlekraftwerke möglich. Allerdings müssten enorme Energiereserven angelegt werden. Etwa indem überschüssiger Ökostrom gespeichert wird. Die dazu nötige Technologie nennt sich Power-to-Gas. Wenn Solar- oder Windkraftwerke zu viel Strom produzieren, wird dieser benutzt, um synthetisches Erdgas herzustellen. Dieses Gas kann dann in Zeiten der Knappheit benutzt werden, um Strom zu produzieren.

Das Thema der langfristigen Flexibilität ist für die Schweiz höchst bedeutsam. Sie verfügt im mitteleuropäischen Vergleich über grosse Mengen von Energiereserven in den Speicherseen. Diese würden das Land ohne Atomkraftwerke und ohne Stromimporte etwa sieben Tage mit Elektrizität versorgen, wie der Energie- analyst des Berner Stromkonzerns BKW, Urs Meister, vor kurzem darlegte.

Hohe Kosten
Für eine Stromversorgung auf erneuerbarer Energiebasis müsste die Schweiz aber über mehr Saisonspeicherung verfügen - also über Technologien, die im Sommer anfallenden Strom in den Winter hinüberretten. Denn im Winter wird gleichzeitig mehr Strom verbraucht und weniger produziert. Die andere Möglichkeit ist es, den Stromverbrauch merklich zu verringern. Mit beiden Wegen sind grosse Kosten verbunden. Damit stellt sich die Frage: Wer soll letztlich dafür bezahlen, dass die Schweiz für eine alle paar Jahre auftretende Stromknappheit von vielleicht 200 Stunden nahezu autarke Sicherheitsreserven anlegt?

Der Direktor der Bundesamtes für Energie, Benoit Revaz, hält eine vollständige Autarkie des Landes denn auch für «unbezahlbar und sinnlos». Doch wie sieht dann schweizerische Versorgungssicherheit im Zeitalter der «kalten Dunkelflaute» aus? Diese Diskussion wird die schweizerische Stromdebatte auf dienächsten Jahre hinaus prägen.
(Quelle: NZZ am Sonntag)

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