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 18.10.2018

Elektromobilität

Herausforderung fürs Stromnetz

Die Verkehrsexperten sind sich einig: Die Zukunft des Individualverkehrs ist elektrisch. Für die Stromnetzbetreiber ist diese Prognose nicht nur positiv.

Ein fiktives Zukunftsbeispiel aus dem Kanton Zürich: Wenn die pendelnden Zürcherinnen und Zürcher dereinst nach Feierabend mit ihren Elektroautos in die heimischen Tiefgaragen kurven, werden sie ihre Boliden ans Stromnetz anschliessen. Nehmen wir an, sie verwenden Schnell-Ladestationen (11 Kilowatt Leistung) und diese sind so eingestellt, dass sie laden, sobald der Niedertarif beginnt. In diesem Fall würde im Kanton Zürich von einer Sekunde auf die andere etwa 1,6 Gigawatt zusätzliche Leistung aus dem Stromnetz bezogen. Das ist mehr, als das Atomkraftwerk Leibstadt unter Volllast leistet.

Das Beispiel ist natürlich nicht realistisch, denn es geht davon aus, dass sämtliche Autos elektrisch betrieben würden und dass alle zur selben Zeit laden. Aber es zeigt, dass sich die Betreiber der Stromnetze durchaus Gedanken zur Elektromobilität machen sollten. Heute ist Elektromobilität für die Netzbetreiber keine Herausforderung. Da die Durchdringung gering ist, stellt beispielsweise EKZ noch keine Veränderung fest, die auf Elektromobilität zurückzuführen wäre. Spürbar ist hingegen das steigende Interesse an der E-Mobilität. Immer mehr Kunden beschäftigen sich mit dem Thema und zeigen Interesse an einer eigenen Ladestation.

Vorreiter Norwegen
Die Elektromobilität wächst in der Schweiz durchschnittlich. 2,7 Prozent der neu zugelassenen Personenfahrzeuge waren 2017 elektrisch betrieben. Der Bund möchte diesen Anteil bis 2022 auf 15 Prozent erhöhen. In Norwegen waren letztes Jahr - aufgrund starker staatlicher Förderung - schon über 20 Prozent der Neuzulassungen vollelektrisch. Studien gehen davon aus, dass gewisse Stromnetze erstmals an Grenzen stossen, wenn jedes zehnte Auto elektrisch fährt und vermehrt 11-Kilowatt-Ladestationen genutzt würden. Laden zu viele Elektroautos gleichzeitig, kommt es im Stromnetz zu einem Leistungsengpass. Durch die zu hohe Last würde die Netzinfrastruktur schneller altern und wäre anfälliger für Defekte.

Netzausbau?
Wie also dieser Herausforderung begegnen? Eine naheliegende Lösung ist der Netzausbau. Dafür würden bestehende Stromleitungen und Transformatoren durch leistungsfähigere Komponenten ersetzt. Ein verstärktes Netz könnte die zusätzlich benötigte Leistung für die Ladestationen bereitstellen. Das ist allerdings eine aufwendige Lösung. Denn der Ausbau des Stromnetzes kostet nicht nur viel Geld, er ist auch mit intensiver Bautätigkeit verbunden, die von der Bevölkerung als stö-rend wahrgenommen wird.

Lademanagement optimieren
Es geht aber auch anders. Denn alle Elektrofahrzeuge gleichzeitig aufzuladen, ist gar nicht nötig. Ein sinnvoller Ansatz ist ein verstärkter Einsatz des sogenannten Lademanagements. Die meisten Fahrzeuge stehen über 90 Prozent der Zeit still. Zudem ist ihr täglicher Energiebedarf gering. Der Durchschnittspendler legt pro Tag etwa 24 Kilometer auf der Strasse zurück. Das entspricht rund 5 Kilowattstunden Energie und damit nicht einmal zwei Stunden Ladezeit an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose. Es wäre also ohne Komforteinbussen möglich, das Laden vieler Elektrofahrzeuge zu verschieben. Für die meisten Leute ist es nicht erheblich, ob ihr Auto von 20 bis 22 Uhr oder erst von 1 bis 3 Uhr geladen wird. Hauptsache, es steht am Morgen geladen wieder bereit.

In kleinerem Rahmen sind solche Lademanagement-Lösungen schon heute im Einsatz. In Parkgaragen von modernen Mehrfamilienhäusern sind die Ladesta-tionen immer häufiger mit einer intelligenten Steuerung verknüpft. Das System entscheidet dann selbst, wann welches Auto mit welcher Leistung geladen wird. So wird sichergestellt, dass der Netzanschluss nie überstrapaziert wird und gleichzeitig alle Fahrzeuge am nächsten Morgen geladen zur Verfügung stehen.

Auch in grösserem Rahmen arbeiten die Netzbetreiber bereits an Möglichkeiten des Lademanagements. Wer heute beispielsweise im Netz von EKZ eine Ladestation für Elektrofahrzeuge baut, muss diese nicht nur melden, er muss zusätzlich eine Möglichkeit zur Steuerung einbauen. So könnte der Netzbetreiber die Ladestationen im Notfall, wenn zu viel Leistung bezogen würde, abschalten. Darüber hinaus ist mit der Steuerungsmöglichkeit schon heute eine wichtige Voraussetzung für ein künftiges Lademanagement geschaffen. (Quelle: Handelszeitung)

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