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 14.04.2019

Studie

Wasserkraft lohnt sich

Die meisten Wasserkraftwerke machen Gewinn, sagt eine neue Studie. Der Verband der Energiebranche sieht die Lage weniger rosig. Er bezweifelt die Repräsentativität der Studie und beklagt die Wasserzinsen.

Die Diskussion tobt seit Jahren: Die Betreiber der Wasserkraftwerke beklagen sich über die tiefen Börsenpreise für Strom, die hohen Abgaben und als Folge davon über rote Zahlen. Kritiker halten ihnen entgegen, sie würden die Situation dramatisieren. Eine neue Untersuchung des Energieberatungsunternehmens Enerprice zeichnet nun ein positives Bild der Marktsituation für Wasserkraftwerke.

Der Vergleich wurde zum vierten Mal durchgeführt und zeigt laut Geschäftsführer Rene Baggenstos, «dass mit der Wasserkraft viel Geld verdient werden kann». Enerprice nahm für die Studie die Geschäftsberichte von zehn Kraftwerksgesellschaften unter die Lupe. Diese produzierten im letzten Geschäftsjahr gut 20% des Schweizer Wasserstroms. Aus Sicht von Enerprice bieten diese Firmen einen guten Querschnitt der Wasserkraftbranche.

Die Untersuchung kommt zum Schluss, dass sich die Produktionskosten und die Abgaben teilweise enorm stark unterscheiden. Trotzdem erwirtschafteten acht von zehn Firmen positive Resultate. Deutlich im roten Bereich war insbesondere ein Werk: das vor kurzem in Betrieb genommene Pumpspeicherwerk Limmern, das zur Mehrheit der Axpo gehört. Ein nochmals anderes Bild ergibt sich, wenn nur die operativen Kosten einberechnet werden - also etwa Personal- oder Materialkosten -, nicht aber die Abschreibungen. Das Resultat: Diese Kosten lagen bei allen Werken deutlich tiefer als der Preis, der am Markt für die Wasserenergie erzielt werden konnte.

Laut Rene Baggenstos ist die Situation, welche die Wasserkraft derzeit erlebt, in anderen Wirtschaftsbranchen wie der Industrie «ganz normal»: Nicht jedes Geschäftsjahr laufe gleich gut. Als Vergleichsbasis nutzte Enerprice einen durchschnittlichen Marktpreis des letzten Geschäftsjahres. Dieser ist nicht für jedes Stromunternehmen repräsentativ. Manche verkaufen aus strategischen Gründen ihre Energie weit im Voraus, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. «Trotzdem sorgten viele der Kraftwerke auch in schwierigeren Zeiten für schöne Gewinne», sagt Baggenstos. Dies gelte erst recht für das vergangene Geschäftsjahr. In diesem konnten die Stromunternehmen von höheren Preisen an der Börse profitieren.

Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) sieht die Situation der Wasserkraft deutlich weniger rosig. Es gehe ihr besser, aber nicht gut, sagt Direktor Michael Frank. Die Strompreise hätten sich in den letzten Jahren «nur leicht» erholt. DieWasserkraft leide vorallem unter einem Umstand: dem ungünstigen Umfeld. Dazu gehören die Wasserzinsen, welche die Kraftwerke für die Nutzung des Wassers an die Kraftwerksstandorte zahlen müssen. «Diese sind weiterhin starr, zu hoch und belasten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Wasserkraft.»

Ein weiteres Problem ist aus Sicht des VSE das fehlende Stromabkommen mit der EU. Dies erschwert den Wasserkraftproduzenten den Zugang zum europäischen Markt, weil sie als Vertreter eines Drittlandes von gewissen Handelsaktivitäten aus-geschlossen sind. Damit könne die Wasserkraft ihr Potenzial nur ungenügend nutzen.

Der VSE begegnet den konkreten Untersuchungsergebnissen von Enerprice mit Skepsis. Es stelle sich etwa die Frage, ob die Erhebung tatsächlich repräsentativ für die gesamte Schweizer Wasserkraft sei, sagt Frank. Bei den früheren Untersuchungen sei dies nicht der Fall gewesen. Laut Frank ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Die Wasserkraft hat zwar tatsächlich tiefe operative Kosten - für den Betrieb eines Kraftwerks braucht es wenig Personal. Dafür seien aber die Kapitalkosten hoch, denn der Bau von Kraftwerken verschlingt viel Geld. Allein das Pumpspeicherkraftwerk Limmern kostete 2,1 Mrd. Franken.
(Quelle: NZZ am Sonntag)

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