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 28.07.2019

Energie

Energiespeicher als nächste Boombranche

Laut einer Studie sind Batterien und andere Speichertechnologien für Energie die nächste Boombranche. Je länger die mögliche Speicherzeit, umso besser.

Eine Studie der Bank of America sieht ein rasantes Wachstum für Batterien und andere Speichertechnologien. In Europa fallen die Temperaturrekorde gleich reihenweise, in der Arktis wüten riesige Feuer. Das US-Finanzinstitut Bank of America Merrill Lynch fragt nun in einer neuen Studie, inwieweit die Energiespeicherung helfen kann, den Planeten zu retten. Die Bank kommt zu einem sehr positiven Fazit: Die Energiespeicherung läute gerade die nächste Phase inder Transition zu einem sauberen Energiesystem ein.

Gemäss den Energieanalysten werden die Kosten für Speichertechnologien bis 2025 um 50 Prozent fallen. Batteriespeicher haben bereits heute eine erstaunliche Konkurrenzfähigkeit erreicht. Mehrere Energieversorger in den USA haben Projekte gestartet, um alte Gas- und Kohlekraftwerke zu ersetzen. Dies nicht etwa durch neue fossile Kraftwerke. Sondern durch riesige Batterien, die Solar- und Windstrom speichern. Ein Grund für den bevorstehenden Aufschwung ist der Erfolg der erneuerbaren Energien. Nach «dramatischen Kostenreduktionen» in den letzten zehn Jahren sind etwa Wind- und Solarenergie heute gleich teuer oder sogar günstiger als fossile Energien.

Dies trifft laut den Experten auf die meisten globalen Regionen zu. Und das ist noch nicht alles: Die Kosten dürften noch weiter fallen.Natürlich produzieren Solar-und Windenergie oft dann, wenn es ihre Energie eigentlich nicht braucht - oder sie tragen wenig bei, wenn es grossen Bedarf gäbe. Die Erneuerbaren benötigen darum Speicherlösungen, wenn sie sich weiterhin in hohem Tempo verbreiten sollen.

Gemäss den Experten wird der Effekt von neuen Speicherlösungen auf die Ausbaugeschwindigkeit von Erneuerbaren generell wohl unterschätzt. Allein schon Technologien, die Energie für zwei bis drei Stunden zwischenspeichern können, ermöglichen einen um 10 bis 15% höheren Anteil an Solar- und Windenergie im Gesamtsystem. Je länger die mögliche Speicherzeit, desto grösser ist dieser Effekt.

Weltweit gesehen, könnte das noch eine weitere Auswirkung haben: Wird das Stromsystem stetig ökologischer, hilft das bei der Verbreitung von Elektroautos, weil diese immer weniger auf Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken angewiesen sind. Nach Ansicht der Experten der Bank of America könnte das den sogenannten «PeakOil»-Zeitpunkt deutlich früher Realität werden lassen, als bisher gedacht. Mit «Peak Oil» wird der Moment bezeichnet, in dem die globale Ölförderung ihren Höhepunkt erreicht, bevor sie zu sinken beginnt. Gemäss der Studie könnte dieser Punkt zwischen 2027 und 2030 liegen.

Die Studie hat allerdings auch wenig erfreuliche Nachrichten zu bieten. So hinkt die Verbreitung von Speichern ausgerechnet in Asien hinterher. Das ist bedenklich, weil der Energiehunger dort riesig ist. Damit besteht die Gefahr, dass der dortige Bedarf noch lange zu einem übermässigen Anteil aus Kohle- und Gaskraft gedeckt wird.
(Quelle: NZZ am Sonntag)

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