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 21.08.2019

Klima

Gaskraftwerke statt Atomkraftwerke

Für den Klimaschutz will SP-Nationalrat Roger Nordmann die Foltovoltaik massiv ausbauen. Das genügt aber nicht, um die Stromversorgung in der Schweiz sicherzustellen. Daher braucht es Gaskraftwerke.

SP-Politiker Roger Nordmann fordert eine Solaroffensive in der Schweiz - doch die hat ihren Preis. Die Klimadebatte prägt den Wahlkampf, erschöpft sich aber oft in Schlagworten. Einen substanziellen Beitrag liefert nun Roger Nordmann. Der Fraktionschef der SP zeigt, wie er die Schweiz in eine klimaneutrale Zukunft führen will - mit einem massiven Ausbau der Fotovoltaik. Dieser Schritt, schreibt Nordmann in seinem neuen Buch «Sonne für den Klimaschutz», sei nichts als die logische Konsequenz aus der Zustimmung des Stimmvolks zur Energiestrategie 2050. Diese verbietet neue Atommeiler und will erneuerbare Energien ausbauen.

50 Megawatt angestrebt
Nordmann rechnet mit einem zusätzlichen Strombedarf von jährlich 40 bis 45 Terawattstunden, um die Dekarbonisierung der Schweiz entscheidend voranzutreiben. Ersetzt werden muss der Strom der Atomkraftwerke, zudem braucht es künftig mehr Strom, weil Haushalte und Verkehr von fossilen auf erneuerbare Energien umstellen sollen. Nordmann will dazu die Solarkapazität um den Faktor 25 erhöhen, von 2 auf 50 Megawatt, in erster Linie auf bereits bestehenden Infrastrukturen.

Es wäre ein Leichtes, Nordmanns Werk als Schrift eines Solarlobbyisten abzutun; der Waadtländer präsidiert den Branchenverband Swissolar. Doch die Reaktionen zeigen: Die Energiebranche nimmt Nordmanns Solarplan für die Schweiz ernst. Die BKW hat den SP-Politiker zu einer Präsentation eingeladen. In einem Blogbeitrag  resümiert der Stromkonzern, die Analysen des Nationalrats würden sich in weiten Teilen mit der BKW-Strategie decken - wenn auch Fragen offen blieben, etwa die finanziellen Folgen des Solarausbaus für die Stromnetze.

Axpo und Greta
Die BKW legt Mühleberg Ende Jahr still und investiert stark in erneuerbare Energien. Letzteres tut auch die Axpo. Im Unterschied zur BKW betreibt der Stromkonzern mit Beznau I und II aber zwei Atommeiler - und will dies noch auf Jahre hinaus tun. Er setzt also weiter auf eine Stromquelle, die über die ganze Produktionskette betrachtet wenig CO2 freisetzt, weniger auch als Fotovoltaik. Seit die Klimadebatte aufgeflammt ist, preisen die Atomfreunde die Atomkraft denn auch als Klimaretterin an. Vor diesem Hintergrund ist der Tweet eines Axpo-Vertreters zu lesen: Der Klimahype mit Greta sei schön gewesen. Aber jetzt würden bald wieder fossile Kraftwerke in der Schweizgebaut - wegen Nordmann.

Gaskraftweke sind nötig
Fossile Kraftwerke? In der Tat sind sie Bestandteil von Nordmanns Plan. Der Solarausbau wird nicht ausreichen, um den Strombedarf im Winter zu decken, wie Nordmann schreibt. Damit keine Lücke entsteht, schlägt er unter anderem vor, Strom aus Gaskraftwerken zu beziehen. Dies jedoch würde die Klimabilanz der Schweiz um 4,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verschlechtern. Nordmann verhehlt das nicht, rechnet aber vor, die Schweiz werde dank der Dekarbonisierung 31 Millionen Tonnen einsparen, unter dem Strich also klimapolitisch massiv an Terrain gutmachen. Nordmanns Buch zeigt nicht zuletzt, wie komplex Klimapolitik ist - eine Debatte, die der SP-Politiker nun auch mit der Axpo führen wird. Der Stromkonzern will ihn ebenfalls einladen. Thema dürfte dann auch die Atomkraft und ihre klimapolitische Rolle sein. Für Nordmann sind AKW indes keine Lösung: zu teuer, zu gefährlich. Zudem verbessere sich die CO2-Bilanz der Fotovoltaik laufend. Auch habe das Stimmvolk 2017 Nein zu neuen Atommeilern gesagt. Dies, so Nordmann, sei zu akzeptieren.
(Quelle: BZ / Der Bund / TagesAnzeiger)

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