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 11.10.2019

Deutschland

Gas muss 52 Prozent teurer werden

Bis 2030 muss der Gaspreis um 52 Prozent steigen. Generell hat der IWF errechnet, um wie viel die Preise für Energie steigen müssen, damit das Zwei-Grad-Ziel erreicht wird.

Fossile Energieträger werden teurer, das gilt für Erdgas zum Heizen genauso wie für Benzin zum Fahren. So will es die Politik. Die Bürger sollen sich schliesslich klimafreundlicher verhalten und weniger schädliches Kohlendioxid freisetzen. Die entscheidende Frage für Verbraucher ist, wie stark wird sich der Preis für die Energieträger in den kommenden Jahren erhöhen?

Was bis zum Jahr 2030 auf die Bürger zukommen könnte, zeigt eine aktuelle Auswertung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Das Ergebnis für Endverbraucher in Deutschland: Wer mit Erdgas heizt, wird sich auf den deutlichsten Preisanstieg einstellen müssen. Gegenüber dem heutigen Niveau haben die IWF-Experten einen Aufschlag von 52 Prozent errechnet. Neben den fossilen Energieträgern wird auch Strom teurer. Der Strompreis werde bis 2030 um 18 Prozent nach oben gehen, Benzin um acht Prozent teurer - vom aktuellen Niveau bei 1,40 Euro je Liter wären dies ein Aufschlag von elf Cent. Der Kohlepreis soll in Deutschland sogar um 132 Prozent steigen, für private Haushalte wird sich diese Steigerung allerdings anders als bei Gas, Strom und Benzin nicht direkt in höheren Rechnungen zeigen. Grundlage für diese IWF-Berechnung ist ein CO2-Preisvon 75 Dollar (68 Euro) je Tonne. Dies sind die Erwartungen für das Jahr 2030.

Die Bundesregierung geht in ihrem gerade verabschiedeten Klimaschutzpaket für die ersten Jahre ab 2021 von geringeren Preiserhöhungen aus.Dies liegt an dem von Kritikern als zu niedrig eingeschätzten CO2-Preis von zehn Euro je Tonne, der sich bis 2025 schrittweise auf 35 Euro je Tonne erhöhen soll. «Wir fördern und fordern, aber wirüberfordern nicht», sagt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zu dem Vorwurf, dass die Regierung den CO2-Preis zu niedrig angesetzt habe. Wo der Preis nach diesen Plänen im Jahr 2030 steht, ist noch offen.

Ab 2026 wird die Preisbildung im Rahmen eines Handels von Verbriefungsrechten dem Markt überlassen - allerdings gibt es zunächst einen Deckel bei 60 Euro. Das auf Klimaschutz spezialisierte Mercator Research Institute in Berlin hatte dagegen einen Einstiegspreis von 50 Euro pro Tonne gefordert, bis zum Jahr 2030 müsse der Preis dann auf 130 Euro steigen. Der CO2-Preis von 75 Dollar je Tonne ist aus Sicht des IWF in allen Industrieländern - von Argentinien und den Vereinigten Staaten, über Europa bis hin zu Indien und China - notwendig, aber auch ausreichend, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, auf das sich die internationale Staatengemeinschaft verständigt hat.

Das Ziel besagt, dass die globale Erwärmungbis zum Jahr 2100 auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung begrenzt wird. So sollen die negativen Folgen der Erderwärmung für Mensch und Umwelt in Grenzen gehalten werden.

Die positive Botschaft des IWF-Reports für Deutschland ist: In anderen Industrieländern werden die Preise für Erdgas, Strom, Benzin und auch Kohle bis 2030 sehr viel stärker steigen. In denVereinigten Staaten, Argentinien, Mexico und Kanada soll Erdgas nicht nur um 52 Prozent wie in Deutschland, sondern um mehr als 130 Prozent teurer werden, der Durchschnitt der Industrieländer liegt bei 68 Prozent. Bei Strom gehören Südafrika, Indien und Australien mit einem Plus von 75 Prozent und mehr zu den Spitzenreitern, der Durchschnitt aller 19 Länder wird mit 43 Prozent angegeben. Da sind die 18 Prozent hierzulande vergleichsweise niedrig.

Deutlich fallen auch die Unterschiede beim Benzin aus: Hier heisst der Spitzenreiter Indonesien mit plus 32 Prozent - im Vergleich zu den acht Prozent in Deutschland. Der IWF hält gerade die erwarteten Preissteigerungen bei Strom und Benzin für verkraftbar. «Diese Preisveränderungen bewegen sich innerhalb der Schwankungsbandbreite, die es auch in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gab», schreiben die Autoren. Eine CO2-Bepreisung, wie sie nun auch Deutschland über die Industrie hinaus auf andere Bereiche ausgedehnt wird, sieht der IWF in jedem Fall als «stärksten Anreiz» an, um den Ausstoss von Treibhausgasen zu senken.

Dahinter steckt die Erwartung, dass Menschen ihr Verhalten am schnellsten ändern, wenn sie es an der Höhe des eigenen Kontostands merken. Alternativen, etwa Belohnungen für klimafreundliches Verhalten, sind laut IWF weniger effizient, sie müssten sehr hoch sein, um einen ähnlichen Einspareffekt von Emissionen zu erreichen wie bei einer CO2-Bepreisung.
(Quelle: Die Welt)

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