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 13.11.2019

CO2-Abgabe

Milliarden Mehrkosten für Mieter

Die geplante Erhöhung der CO2-Abgabe soll helfen, die Klimaziele zu erreichen. Doch Mieten würden steigen und Immobilien an Wert verlieren.

Unter den grössten CO2-Emittenten der Schweiz rangieren sie auf dem zweiten Platz: Immobilien. Fast ein Drittel des gesamten CO2-Ausstosses geht auf die Kappe des Gebäudesektors. Nur der Auto- und LKW-Verkehr bläst noch mehr Kohlenstoffdioxid in die Luft. Die Industrie liegt in der Schweiz auf Platz drei.

Um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50 Prozent gegenüber 1990 zu senken, steht eine Revision des CO2-Gesetzes an. Diese sieht unter anderem eine Erhöhung der CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe wie etwa Heizöl oder Erdgas von derzeit 96 auf 210 Franken pro Tonne vor. Diese Erhöhung hätte teure Folgen für Hauseigentümer und Mieter.

65 Prozent Ölheizungen
Die Immobilienberatungsfirma Iazi hat in einer Studie die Auswirkungen für den Schweizer Gebäudepark analysiert. Im Jahr stossen die rund eine Million Einfamilienhäuser, die es in der Schweiz gibt, an die 6 Millionen Tonnen CO2 aus. Die rund 400 000 Mehrfamilienhäuser mit ihren rund 3 Millionen Wohnungen tragen mit über 8 MillionenTonnen sogar noch mehr bei. Obwohl sich seit 2006 beim Bau von Mehrfamilienhäusern umweltfreundlichere Heizlösungen wie Wärmepumpen, Holz oder Fernwärme gegenüber Öl-und Gasheizungen durchsetzen, werden immer noch rund 65 Prozent aller Liegenschaften in der Schweiz durch das Verbrennen von Öl oder Gas gewärmt. Eine Erhöhung der CO2-Abgabe auf 210 Franken je Tonne CO2 würde daher laut Iazi für alle Hauseigentümer und Mieter Mehrkosten von etwa 1,4 Milliarden Franken pro Jahr verursachen.

So würde die Erhöhung das Heizen einer unsanierten Beispielwohnung von 90 Quadratmetern mit Ölheizung pro Jahr um 485 Franken verteuern. Dabei wird von einem Verbrauch von über 1600 Litern Öl ausgegangen und einem Preisanstieg von 30 Rappen je Liter Heizöl. Die Schweiz hat mit knapp 40 Prozent die tiefste Wohneigentumsquote unter allen europäischen Ländern.

«Die jüngsten Preisentwicklungen im Wohneigentum deuten darauf hin, dass wir im nächsten Jahr einen ausgeprägten Mietermarkt erleben werden», sagt Iazi-Chef Donato Scognamiglio. Und auch die Mieter müssen mehr zahlen. Was für sie besonders ärgerlich ist: Zwar rechnet Iazi im zweiten Quartal 2020 mit einer weiteren Senkung des Referenzzinssatzes, was die Mieten weiter drücken würde. Doch die anfallenden Mehrkosten durch die CO2-Abgabe würden unweigerlich an die Mieter weitergegeben. Das heisst: Mieterhöhungen zwischen 1,3 Prozent in den Kantonen Genf und Basel, 4,4 Prozent im Tessin oder gar 5,4 Prozent im Jura wären zu erwarten.

Familien sind betroffen
Für Eigenheimbesitzer hat die CO2- Verteuerung wahrscheinlich einen Wertverlust ihrer Immobilien zur Folge: Im Iazi-Szenario zwischen 0,6 Prozent im Kanton Genf und 3 Prozent im Kanton Jura. «Die Mehrabgaben, die eine Öl- oder Gasheizung verursachen, mindern den Wert der Immobilie», sagt Scognamiglio. Besonders Regionen, in denen die Immobilienpreise ohnehin tief seien, seien betroffen. So wie der Kanton Jura - hier gebe es immer noch die meisten Ölheizungen. Besonders stark betroffen von der Erhöhung der CO2-Abgabe wären Familien, die in ländlichen Regionen in unsanierten, grossen Wohnungen oder Häusern leben. «Wer nicht auf erneuerbare Energien umgestiegen ist», sagt Scognamiglio, «hat einen Nachteil.»
(Quelle: TagesAnzeiger)

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