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 16.11.2019

Energie

Regulator warnt vor Abhängigkeit

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission reguliert den Schweizer Strommarkt. Deren Präsident sieht im Bau von Gaskraftwerken eine Lösung, um die Abhängigkeit von Stromimporten zu reduzieren.

Die Ausgangslage für die Energiezukunft lässt sich folgendermassen umschreiben: Es braucht Lösungen, um die Abhängigkeit der Schweiz von Stromimporten während des Winters zu verkleinern. Werden nach und nach die Kernkraftwerke in der Schweiz abgeschaltet, und der Ausbau der erneuerbaren Energien geschieht weiterhin nur schleppend, wird diese Import-Abhängigkeit aber zunehmen.

Wie Lösungen aussehen sollen und wie gross das Problem wirklich sein wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. Für die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom), die Regulierungsbehörde des Schweizer Strommarkts, ist klar,dass die Import-Abhängigkeit verringert werden muss. «Die Elcom hat in den letzten zwei Jahren schon gewarnt. Diese Warnung muss nun wiederholt werden», sagte Carlo Schmid an einer Tagung. Er ist seit über einem Jahrzehnt Präsident der Elcom und tritt nun ab. Die Behörde habe deshalb Anfang Jahr den Bundesrat per Brief dazu aufgefordert, dass er die Situation bezüglich Versorgungssicherheit genau beobachtet. Denn: «Was mit der Möglichkeit von Stromimporten passiert, wissen wir schlicht nicht», sagt Schmid. Er spricht dabei den Atomausstieg, aber auch den Ausstieg Deutschlands aus dem Kohlestrom an. Sprich: Ob Deutschland im Krisenfall immer Strom liefern kann, ist unklar.

Und in der Schweiz geht es laut Schmid zu wenig schnell vorwärts: «Der Zubau der Erneuerbaren reicht bei weitem nicht, um das Problem zu lösen.» Er betont, dass es nicht die Aufgabe der Elcom sei, Empfehlungen zur Lösung des Problems abzugeben, um dann doch eine zumachen: Gaskraftwerke. «Wenn das Netz zusammenzubrechen droht, dann braucht es relativ rasch zuschaltbare, zusätzliche Energiequellen. Das ist die Idee hinter dem Einsatz von Gaskraftwerken», erklärt der Elcom-Präsident. Die Kraftwerke würden nicht dauerhaft betrieben, sondern nur um Spitzen zu brechen. «Gaskraftwerke sind auch ökologisch sinnvoller als der Import von Kohlestrom.»

Elcom unterstützt Notrecht
Bereits heute sind Stromausfälle im grossen Stil möglich. Dies allerdings nicht wegen einer Unterversorgung. Sondern vielmehr, weil das Stromnetz in der Schweiz in seiner Stabilität gefährdet ist. Immer wieder muss die nationale Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid einschreiten, wenn etwa ungeplant grosse Mengen an Strom aus dem Ausland durch die Schweiz fliessen und so die Stabilität gefährden. Dies wird verstärkt, wenn im Dezember das Kernkraftwerk Mühleberg vom Netz geht. Wie Recherchen dieser Zeitung zeigten, will der Bund deswegen Grundlagen für ein Notrecht schaffen. Konkret geht es um eine Stromleitung zwischen Mühleberg und Bassecourt. Diese könnte mit mehr Spannung betrieben werden, als es heute der Fall ist. Allerdings wehren sich Anwohner dagegen. Mit der erhöhten Spannung könnte das Stromnetz in der Nordwestschweiz entlastet werden. Dieses Ansinnen unterstützt der Präsident der Elcom. «Wir haben beim Bundesamt für Energie ebenfalls den Vorschlag deponiert, dass eine Notrechtsverordnung konzipiert werden sollte», sagt Schmid. Denn bevor «wir einen Blackout haben, meinte ich, dass wir während einer bestimmten Zeit ein Notrecht einsetzen können sollten».

Bei allen Warnungen auch seitens der Elcom: Der scheidende Präsident Carlo Schmid ist überzeugt, dass die Schweiz die drohenden Versorgungsprobleme abwenden kann. Für diesen Winter sei bezüglich Versorgungssicherheit keine Panik angesagt. Die Speicherseen sind gut gefüllt. Zudem wurde bei der Netzstabilität gehandelt. Man kann im Notfall auf Hilfe aus Deutschland und Frankreich zählen.
(Quelle: BernerZeitung)

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